Osteomyelitiden, Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen und Osteoradionekrosen

Entzündliche Kiefererkrankungen weisen in den letzten Jahren massiv steigende Inzidenzraten auf. Dies liegt in erster Linie an der Entwicklung und des vermehrten Einsatzes antiresorptiver und antiangiogenetischer Arzneimittel. Diese werden nicht nur äusserst häufig bei der Osteoporosebehandlung, sondern auch hochdosiert in der Therapie von Knochenmetastasen eingesetzt. Gravierende Nebenwirkungen dieser Wirkstoffe sind Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen (engl. medication related osteonecrosis of the jaw, MRONJ). Die betroffenen Patienten leiden u.a. unter Schmerzen, Zahnverlusten und schlecht heilenden Wunden mit freiliegendem Knochen, insbesondere nach dentoalveolären Eingriffen und im Rahmen von Prothesendruckstellen (Bild 1). In vielen Fällen führt die MRONJ sogar zur irreversiblen Zerstörung und dem Verlust ganzer Kieferabschnitte.
Ein klinisch sehr ähnliches Krankheitsbild stellt die Osteradionekrose dar. Hier liegt die Ursache der oben beschriebenen Symptome in einer vorangegangenen Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich.
Die Therapie der Wahl bei beiden Erkrankungen besteht in der chirurgischen Entfernung der nekrotischen Knochenareale in Kombination mit einer antibiotischen Langzeitbehandlung. Hierbei ist die grösste Herausforderung zunächst das Erreichen eines stabilen und dauerhaften Wundverschlusses, um die bei dieser Erkrankung häufigen Rezidive zu vermeiden. Dafür stehen uns vor allem lokale intra- und extraorale Lappenplastiken zur Verfügung. Darüber hinaus geniesst eine suffiziente dentale Rehabilitation höchste Priorität, um für die Patienten eine adäquate Lebensqualität zu gewährleisten. Bei Verlust kompletter Kieferanteile stossen die rein prothetischen Rehabilitationsmöglichkeiten jedoch häufig an ihre Grenzen. In derartigen Fällen ist es uns dank modernster digitaler CAD/CAM Techniken möglich, in einem chirurgischen Eingriff simultan zur Resektion der betroffenen Kieferbereiche die Rekonstruktion mittels einer patientenspezifisch geplanten mikrovaskulär anastomosierten Fiblua durchzuführen.
Bei den selteneren nicht-infektiösen Osteomyelitiden können wir unseren Patienten durch die USZ-interne Vernetzung mit den Kliniken für Rheumatologie und Immunologie einen interdisziplinären Behandlungsansatz anbieten.

MRONJ1.tif
freiliegender infizierter Knochen nach Zahnextraktion im Oberkiefer

MRONJ2.jpg
3D CT einer patientenspezifischen Fibularekonstruktion

 

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