Orthognathe Chirurgie

Grundsätzlich lassen sich zwei Formen eines Fehlbisses unterscheiden: Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen. Während die isolierten Zahnfehlstellungen sich in der Regel ohne Operationen durch eine kieferorthopädische Therapie erfolgreich behandeln lassen können, sind Fehlstellungen der Kiefer zueinander nur äusserst eingeschränkt durch eine rein kieferorthopädische Therapie zu beeinflussen. Hier steht die orthognathe Chirurgie durch die Verlagerung des Ober- und / oder Unterkiefers durch einen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen zur Verfügung. Da Kieferfehlstellungen praktisch nie ohne Zahnfehlstellungen einhergehen, ist jedoch meist eine gemeinsame kieferorthopädische und kieferchirurgische Behandlungsplanung notwendig. Üblicherweise schliesst sich an eine kieferorthopädische Vorbehandlung eine kieferchirurgische Korrektur der Kieferfehlstellung an (Umstellungsosteotomie) und wird abschliessend mit einer kieferorthopädischen Feinregulation verbliebener Zahnfehlstellungen beendet. Bei fehlenden Zähnen erfolgt die Planung zusätzlich interdisziplinär mit der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik.Die Operation der Kieferfehlstellung kann durch Verlagerung des Ober- und / oder Unterkiefers erfolgen. Die Korrektur von Zahnfehlstellungen kann während dieses Eingriffes durch die Verlagerung von zahntragenden Teilsegmenten ermöglicht werden, sollte jedoch im Rahmen der kausalen Aufgabenteilung einer kieferchirurgisch-kieferorthopädischen Kombinationsbehandlung dem kieferorthopädischen Behandlungspartner überlassen werden, um inadäquate Probleme und Risiken zu vermeiden. Wichtig bei Operationen zur Korrektur der Kieferfehlstellung ist jedoch die Berücksichtigung und Wahrung der Kiefergelenkposition, um Beschwerden durch Über- oder Fehlbelastung der Kiefergelenke zu vermeiden. Mit unserer computerassistierten Technik wird die patientenindividuelle Position der gelenktragenden Anteile des Unterkiefers gesichert (siehe Bild 1) – ein grosser Vorteil im Vergleich zur herkömmlichen rein zahngetragenen Übertragung der Operationsplanung. Der Einsatz von patientenindividuell konstruierten Osteosyntheseplatten (siehe Bild 2) ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS)
Bei Patienten mit Atemaussetzer, die durch einen Kollaps der oberen Atemwege bedingt sind und teils schwerwiegende Phasen des Sauerstoffmangels nach sich ziehen, wird häufig eine CPAP-Masken-Therapie vorgeschlagen. Viele Patienten kommen damit nicht zurecht und finden keine nächtliche Bettruhe, wenn sie die Maske im Gesicht tragen. Schwere obstruktive Apnoe-Fälle lassen sich jedoch ebenfalls mit den Techniken der Kieferumstellung behandeln. Hierbei wird im Besonderen eine Vorverlagerung der zahntragenden Anteile der Kiefer unter Berücksichtigung der Verzahnung durchgeführt und damit eine sichere Öffnung der oberen Atemwege erreicht.
Die Beratung von Patienten, die unter einem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom leiden, erfolgt dabei interdisziplinär durch MKG-Chirurgen, Kollegen der ORL und des Schlaflabors des Universitätsspitals Zürich.

OGS Bildd1.jpgAbb.1 Planung der kieferverlagernden Umstellungsosteotomie (Kieferanteile in grün bleiben unverändert) und Einsatz patientenindividueller Osteosyntheseplatten (rot) zur exakten Neupositionierung der zahntragenden Ober- und Unterkieferanteile.

Abb.2 Der Patient mit einem ausgeprägten Kollaps der oberen Atemwege (links) wurde, nach digitaler Planung und Herstellung patientenindividueller Osteosyntheseplatten operiert (Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer), um eine weite Öffnung der Atemwege zu erreichen. Ein normaler Nachtschlaf ohne Tagesmüdigkeit konnte so erreicht werden.